„So kamen wir also zusammen ...“

Wie sich meine Eltern Margret Hebel und Heinz Siebert kennen und lieben lernten

Aufzeichnung meiner Mutter Margret Siebert geb. Hebel (1909-2000) für ihre Kinder:

"Elfriedchen Siebert, Eures Vaters Schwester, und ich freundeten uns an, als ich 1918 nach Bockenheim kam. Tante Auguste und Onkel Otto Hesse (1) hatten keine Kinder und nahmen mich gern bei sich auf. Ich sollte die Viktoriaschule besuchen, da der Kleinengliser (2) Lehrer im Kriegsdienst und die Vertretung sehr unregelmäßig war.

Die Pfarrer Siebert und Hesse waren beide Pfarrer der Gemeinde Bockenheim, heute Frankfurt/West -  Siebert an der Jakobskirche und Hesse an der Markuskirche.

Elfriedchen war in der Schule eine Klasse weiter als ich. Meine Kenntnisse aus der Dorfschule hatten noch nicht für die 7. Klasse ausgereicht.

Wie schön konnte man im Garten des Siebertschen Pfarrhauses spielen, dazu noch auf dem Kirchhof im Schatten der großen Kastanien. Dort machten uns vor allem das Stelzenlaufen Spaß sowie verschiedene Ball- und Nachlaufspiele. Wir hatten auch noch Spielkameraden aus der Nachbarschaft, und Elfriedchens Bruder Heinz war besonders mit von der Partie beim 'Hexe-Kaukau-Spiel' und wenn wir auf der Veranda an den Ringen unsere Kunststücke übten. Seine Hasenzucht gelang nicht so recht, viele der kleinen niedlichen Häschen starben, und wir legten in einer Gartenecke einen Hasenfriedhof an.

Die Freundinnen Margret und Elfriede
Die Freundinnen Margret und Elfriede

Bei schlechtem Wetter und im Winter durfte ich trotz ziemlicher Enge mit in das kleine Zimmer im oberen Stock, wo wir Gesellschaftsspiele spielten und zeichneten. Es war ja Kriegszeit und Mangel herrschte an allem, so auch an Kohlen, und ein größeres Zimmer konnte nicht geheizt werden. Beim Quartettspiel und anderen Spielen beteiligte sich auch Elfriedchens Mutter und ihr Bruder Heinz. So kannten wir uns schon als Kinder ein wenig.

In den Sommerferien 1918 war Heinz in Kleinenglis, um sich in der Stockelacher Mühle satt zu essen und ein kleines Polster anzulegen für die folgende magere Zeit in Bockenheim. Er schlief im Pfarrhaus, und ich erinnere mich noch, wie er meine Schwester Herta auf die Schultern hob und mit ihr im Hof herumtrabte.

Später sahen wir uns auch noch ab und zu. Besonders denke ich da an Pfingsten 1924. Ich durfte Elfriedchen besuchen, und Heinz hatte Urlaub. Er kam vom Marburger Infanterie-Regiment 15, wo er nach dem Abitur als Offiziersanwärter eingetreten war. In seiner schmucken Uniform gefiel er uns sehr, und wir waren stolz, als er uns auf einem Gang zum Friedhof begleitete. Am Pfingstsonntag geleitete ich Herrn Pfarrer Siebert zur Kirche. Er war sehr krank gewesen und konnte keinen Dienst mehr tun, aber in der Sakristei doch dem Gottesdienst beiwohnen.

Wenige Wochen danach starb er - ebenso mein Onkel August Reich in Fulda (der älteste Bruder meiner Mutter) und mein Großvater Jakob Reich in Preungesheim. Alle drei habe ich in diesen Pfingstferien zum letzten Male gesehen.

Heinz Siebert blieb nicht bei der Reichswehr, es zog ihn nach dem Tod des Vaters sehr zur Theologie. So begann er in Bethel sein Studium. Es folgten die übrigen Semester in Erlangen, dann in Marburg.

Wie gesagt, wir sahen uns ab und zu. Gedacht habe ich wohl oft an ihn, bekam auch mal eine Karte aus Wien von einer Urlaubsfahrt, eine Einladung zu einem Tanzfest nach Marburg. Doch das schüchterne Dorfpomeränzchen getraute sich da nicht hin.

Durch Elfriedchen hörte ich auch immer mal von ihrem Bruder. Dann, nach dem Tod meiner lieben Mutter im August 1929, schrieb er uns herzlich und teilnehmend und besuchte uns bald in Felsberg von Hofgeismar aus. Dort war er nach dem 1. Examen für ein Jahr im Predigerseminar.

Im Januar 1930 haben wir uns heimlich verlobt.

So kamen wir also zusammen."

Student H. Siebert
Student H. Siebert
Margret Hebel und Heinz Siebert
Margret Hebel und Heinz Siebert
Die Verlobten
Die Verlobten


>>Offizielle Verlobung in Felsberg vermutlich Ostern 1930<<

Linkes Foto: Familie von Margret Hebel - Die Verlobten werden eingerahmt von Margrets Schwestern Herta und Hildegard, vorn sitzen Margrets Großmutter Marie Hebel, Vater Ernst Hebel und Schwester Erika.

Rechtes Foto: Familie von Heinz Siebert - Links neben den Verlobten stehen Bruder Hans-Theo mit Frau Elisabeth, vorn sitzen Mutter Mathilde und Schwester Elfriede.

Die Burghauner Zeit unserer Familie habe ich aus persönlicher Perspektive mit vielen Fotos auf einer weiteren Webseite geschildert.

Kindheit in Burghaun

 

Anmerkung:

1) Auguste Hesse geb. Flach,  Tante 2. Grades meiner Mutter, war eine Schwester von "Tante Jo" (Kap. "In memoriam Tante Jo").  Sie war mit Pfarrer Otto Hesse verheiratet, der später als Witwer in Freiburg lebte.

2) In Kleinenglis, heute ein Stadtteil von Borken (Schwalm-Eder-Kreis), war mein Großvater Ernst Hebel der evang. Dorfpfarrer.