Aus den Lebenserinnerungen meines Vaters H. M. Siebert

Vorfahren Siebert

Die Familie meiner Urgroßeltern Siebert


Meine Urgroßeltern Jacob Eduard Siebert und

seine Ehefrau Anna Sophie geb. Gundelach

 

Meine Urgroßeltern Jacob Eduard Siebert und seine Ehefrau Anna Sophie geb. Gundelach hatten drei Söhne:

August Theodor, Heinrich und Ludwig

Mein Großvater August Theodor (er nannte sich aber nur August) war der älteste der Brüder, er nahm sich seinen Vater zum Vorbild und wurde Pfarrer. Bruder Heinrich ging zur Kriegsmarine, er  starb schon vor 1900 als Bootsmannsmaat. Bruder Ludwig wanderte als junger Bursche nach Amerika aus, wo er sich als Farmer immer schwer plagen musste, ohne es zu wirklichem Wohlstand zu bringen. Er gründete dort eine Familie, die aber schon meiner Generation -  mal abgesehen von wenigen Kontakten nach dem Kriege - weitgehend unbekannt geblieben ist. Ludwig Siebert ist nach seiner Auswanderung nie wieder in Deutschland gewesen.

August Siebert als Wingolfit
August Siebert als Wingolfit
Bootsmaat Heinrich Siebert
Bootsmaat Heinrich Siebert
Ludwig Siebert
Ludwig Siebert

 

Mein Großvater August Siebert berichtet in seinen unvollendet gebliebenen Erinnerungen von "goldenen Kindertagen" in dem kleinen Dörfchen Weidelbach, heute ein Ortsteil von Spangenberg, wo sein Vater Jacob Eduard Siebert Pfarrer war. In dankbarer Liebe erinnert er sich an Vater und Mutter, erwähnt aber mit keinem Wort, dass sein Vater dort als Pfarrer "um Amt und Brot kam". Grund war ein gewisses Alkoholproblem unbekannter Ausprägung, welches in der damaligen Zeit dazu führte, dass mein Urgroßvater kurzerhand aus dem Pfarramt entlassen wurde. Die Familie musste schließlich Weidelbach verlassen und zog nach Hersfeld, wo sie in recht dürftigen Verhältnissen lebte.

Mein Urgroßvater erhielt "nur eine kleine Gnadenpension", die er dadurch aufbesserte, indem er einigen Hersfelder Gymnasiasten Nachhilfeunterricht erteilte. Außerdem, so meinte mein Vater, habe die Gundelachsche Verwandtschaft die Großeltern wohl finanziell unterstützt und dafür gesorgt, dass ihr Sohn August die Hersfelder Klosterschule besuchen und dort das Abitur machen konnte.

"August studierte in Marburg Theologie und war Stipendiat der Hessischen Stipendiaten-Anstalt, wodurch ihm das Studium finanziell ermöglicht wurde. In Marburg gehörte er dem Wingolf (eine Studentenverbindung) an und war allem Anschein nach ein fröhlicher Student. - Seine erste Pfarrstelle war Wehrda (Kreis Hünfeld). "

 

Die Familie meiner Großeltern Siebert

 Und weiter schreibt mein Vater H. M. Siebert:

"Meine Mutter war eine regelrechte Cousine meines Vaters. Meines Vaters Mutter und meiner Mutter Mutter waren Schwestern (Sophie und Friederike Gundelach) und stammten aus Oberkaufungen bei Kassel, wo die Gundelachs an die hundert Jahre Pächter des großen Stiftsgutes, des 'Pächterhofes', waren.

Friederike Credé geb. Gundelach
Friederike Credé geb. Gundelach

Am 20. April 1893 war meiner Eltern Hochzeit in Detmold, der fürstlichen Residenz. Dort wurden also 'Mathild-chen Credé',  die Tochter des Hofpre-digers und Generalsuperintendenten Johannes Credé und seiner Ehefrau Friederike geb. Gundelach und der Wehrdaer Dorfpfarrer August Siebert getraut.

Johannes Credé
Johannes Credé

Meine Großeltern Mathilde Siebert geb. Credé

und August Siebert

In Wehrda wurden die ersten Kinder geboren. Das erste kam tot zur Welt, das zweite starb nach wenigen Tagen.

Im Oktober 1897 zogen die Eltern nach Eichen, wo Anfang 1898 das dritte Kind geboren wurde, meine Schwester Margarethe, genannt Gretchen. Drei Jahre später am 7.3.1901 kam mein Bruder Hans-Theodor zur Welt. Die Freude der Eltern war recht getrübt durch die Tatsache, dass der Sohn einen verkrüppelten linken Fuß hatte. Aber er lernte normal laufen, musste jedoch sein Leben lang orthopädische Schuhe tragen.

 

Am 10.11.1905 wurde ich dann geboren, und weil es der Geburtstag des Reformators Martin Luther war, bekam ich zu den Namen meiner drei Taufpaten noch den "Martin" mit auf den Weg: Heinrich Martin Ludwig Georg (Rufname: Heinz).

Meine Patenonkel waren:

Der Bruder meiner Mutter, Heinrich Credé  (Hauptmann und Kompaniechef, 1916 vor Verdun gefallen ..) -

ferner meines Vaters Bruder Ludwig Siebert, der Farmer in Amerika, den ich nie persönlich kennen gelernt habe -

Onkel Georg Deppe (Oberschulrat und Konsistorialrat in Detmold, gest. 1915), Ehemann von Tante Sophie (gest. 1904), der Schwester meiner Mutter...

 

Ich war noch kein Jahr alt, als Vater eine Pfarrstelle in Frankfurt Bockenheim (Frankfurt-West) bekam und die Familie nach dort umzog...  

Wir waren kaum ein Jahr in Bockenheim, da erkrankte Gretchen schwer. Das Kind hatte sich wohl schon in Eichen eine Tuberkulose zugezogen und starb nach langem bitteren Leiden 1907. Oft hat die Mutter erzählt, wie verzweifelt sie damals gewesen sei, aber sie hat sich zusammen mit unserem Vater in den unerforschlichen Gotteswillen geschickt.

Am 28. Januar 1909 wurde meine Schwester Elfriede geboren, die für einige Jahre "der Sonnenschein des Hauses" war.

Mutter Mathilde mit Gretchen
Mutter Mathilde mit Gretchen
Gretchen und Hans-Theodor
Gretchen und Hans-Theodor
Heinz, Hans-Theo
Heinz, Hans-Theo
Gretchen
Gretchen

Elfriedchen Siebert
Elfriedchen Siebert

Dann aber wurde sie das große Sorgenkind der Familie. Ich erinnere mich gut, wie Elfriedchen im Kriegsjahr 1917 an der 'Ruhr' erkrankte und wochenlang im Städtischen Krankenhaus auf Isolier-station lag.  Während ich ziemlich unbekümmert meines Weges ging, lastete auf Vater und Mutter die ganze Not des Krieges, die Sorge um das Leben des Lieblings, um Klei-dung, Nahrung, Lebensunterhalt. "

Geschwister Siebert um 1914: Hans-Theo, Elfriede, Heinz
Geschwister Siebert um 1914: Hans-Theo, Elfriede, Heinz

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