Der 21. November 1944 - Bomben auf den Hünfelder Bahnhof

Der Zweite Weltkrieg brachte schließlich auch den Tod und damit großen Schmerz in unsere eigene Familie hinein. Obwohl diese Leiden letztlich Folge der deutschen Kriegsschuld waren, dürfen sie nach so vielen Jahren, wie ich denke, auch einmal thematisiert werden - im Sinne der Mahnung: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!

 

Dieser 21. November 1944 wird mir in stetiger Erinnerung bleiben, denn an diesem Tag verlor ich meinen ältesten Bruder Hans. Er war damals 12 Jahre alt.

Ein Bild steht mir unauslöschlich vor Augen:

Auf dem Serviertisch links neben der Zimmertür wartet ein Tellerchen mit gelbem Pudding, vermutlich Vanillepudding, der für Hans bestimmte Nachtisch vom Mittagessen...  

Hans 1944
Hans 1944

Eigentlich eine banale Angelegenheit. Aber hierdurch habe ich damals als Kind von sieben Jahren wohl annähernd begriffen, was Tod in der Realität bedeutet: 

'Da steht nun dieser Pudding für meinen Bruder Hans, aber der kann ihn nicht mehr essen, denn er kommt niemals wieder zurück zu seiner Schwester.'    

 

Am späten Nachmittag kehrte unser Vater dann von Hünfeld mit der Todesnachricht nach Burghaun zurück. Er war mit dem Motorrad gefahren, und ich hatte bis zuletzt die kindliche Vorstellung, dass er meinen Bruder auf dem Rücksitz mit nach Hause brächte. Doch nun waren alle Hoffnungen der Gewissheit über das entsetzliche Geschehen gewichen. Ich werde nie vergessen, wie wir am Abend um den großen Esstisch herum saßen, trauerten und weinten. Zu dem großen Schmerz über den Tod meines Bruders kam noch hinzu, dass ich mit dem Schoß meiner ungeliebten Klavierlehrerin Frau Sauer vorlieb nehmen musste, da die Plätze bei meinen Eltern schon besetzt waren.